Von der Mitte der 70er bis heute
Auch in den Jahren 1975 bis 1980 stellte sich wiederholt die Frage, ob Alkuinia noch zeitgemäß sei. Besonders in der ersten Hälfte der 70ger Jahre kam es zu starken Anfeindungen. Es war verpönt Alkuine zu sein und aus dem Kreis der Mitstudenten wurde Alkuinia als ,,Verein der Alkoholiker" und ,,schwarze Mafia" tituliert. So kam es auch, dass im Wintersemester 1977178 nur noch 4 Aktive und 1 Inaktiver das Verbindungsleben aufrecht hielten. Wieder einmal sollte das Ende vorprogrammiert sein. Doch Philistersenior Bernhard Kreuz und Bundesbruder Franz Gunkel wollten nicht kampflos aufgeben und stellten sich dem vermeintlichen Ende entgegen. Durch einen Zusatzetat und intensive Werbung, dass Alkuinia mehr sei als ein reiner Freundeskreis, dass Erfahrungsaustausch und bundesbrüderliche Hilfe zählen, gelang es ihnen, Alkuinia vor dem Untergang zu retten. Im Wintersemester 1980/81 zählte Alkuinia wieder 21 Aktive und wurden zur größten Untergruppe im Konvikt. Durch die Übernahme und den Ausbau der ,,Pingi-Bar" wurde ein zentraler Treffpunkt für die Bundesbrüder geschaffen. Bei den Alt-Herren-Besuchen gab es fortan ein wissenschaftliches und kulturelles Beiprogramm.
Im WS 1985 zählte dann die Alkuinia 22 Aktive und der Spiritual des Collegium Leoninum, Dr. Günter Bender (1967 - 1992), äußerte: ,,Der Alkuinia soll es gut gehen, damit es anderen gut geht". Dieser Wunsch nimmt Bezug auf die vielfältigen Aktivitäten der Aktivitas, die sich dadurch in besonderer Weise in die Hausgemeinschaft eingebracht hat. In jenen Jahren war die montägliche Alkuinenvesper um 18.00 h. ein fester Bestandteil des Semesterprogramms.
Ein Jahr später, auf dem 86. Stiftungsfest, wurde der heutige Philistersenior Hans Walter gewählt. In seine Amtszeit fallen tiefgreifende Veränderungen der Alkuinia:
Bereits 1987 kam der Begriff der ,,schwarzen Mafia" für Alkuinia wieder in den Blickpunkt, wie er schon in der Mitte der siebziger Jahre geprägt worden war. Das hatte unter anderem zur Folge, dass auch die Rezeptionszahlen wieder sanken. So zählte Alkuinia im Jahre 1989 nur noch 13 aktive Bundesbrüder. Innerhalb der Aktivitas wurde ein Selbstfindungsprozess in Gang gesetzt, mit dem Ziel ,,Handeln statt Hadern“. Seine Auswirkungen kamen auf dem 90. Stiftungsfest am 30. Mai 1990 zum Vorschein. Der Festvortrag des Bonner Liturgieprofessors Prof. Dr. A. Gerhards zum Thema ,,Damit alle eins werden... - Zum Stand und zur Weiterentwicklung einer ökumenischen Liturgie" kann dafür schon als thematischer Vorgriff gelten. Bezug-nehmend auf dem Semesterrundbrief des Seniors im Sommersemester 1990, in dem Bundesbruder Manfred Keuchen die Frage stellte, wie es auf Grund der rückgängigen Anmeldungszahlen der Priesteramtskandidaten (PAKs) mit Alkuinia weitergehen könne, stellte der amtierender Philistersenior in der Einladung zum 90. Stiftungsfest erste Überlegungen für eine Öffnung Alkuiniae für Nicht-PAKs an~. Bereits auf dem CC des Stiftungsfestes zeichnete sich die Öffnung ab, die Bundesbruder Hans Walter zu seinem besonderen Anliegen gemacht hat. Verschiedene Modelle wurden deshalb in der Folgezeit diskutiert, so auch eine generelle Öffnung Alkuiniae für Frauen . Auf der Semesterabschlusskneipe im SS 1991, am 4. Juli, wurde dann unter anderem Bundesbruder Dietmar Pelzer rezipiert, der erste Laientheologe, jedoch noch vorbehaltlich einer Zustimmung auf dem CC. Auf dem 92. Stiftungsfest am 3.6.1992 ist Alkuinia dann per CC-Beschluss auch für die Laientheologen
geöffnet worden.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass mit dieser Öffnung auch eine Austrittswelle verbunden war, da einige ehemalige Bundesbrüder die Befürchtung hatten, das Wesen Alkuiniae könne sich durch die Öffnung vollständig wandeln. Wenn in den letzten Jahren auch nur wenige Laientheologen für den Bund gewonnen werden konnten, ist jedoch die qualitative Bereicherung nicht zu übersehen. Innerhalb der Kirche übernehmen die Laien große und gewichtige Aufgaben, eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Laien und den Priestern (Priesteramtskandidaten konnte auch in unserer Alkuinia verankert werden.
Trotz einer längeren Durststrecke Mitte der neunziger Jahre, in der es nicht gelang, dem Bund neue Kräfte zuzuführen und die Verbindungsgeschäfte bei teilweise 5 Aktiven lagen, ging es seit 1997 durch einige Rezeptionen kurzfristig langsam wieder bergauf.
Als dann die Entscheidung des Bistums Aachen gefällt wurde, das liebgewordene Collegium Leoninum an das Erzbistum Köln zurückzugeben und ein neues Haus zu beziehen, hatte das auch Konsequenzen für die Alkuinia. Die Frage nach neuen Räumlichkeiten und die weitere Präsens der Bundesbrüder wurden gestellt. Eine neue Pingi-Bar steht der Vereinigung fortan nicht mehr zur Verfügung, so dass jetzt Alternativen umgesetzt werden müssen. Am 7. Juli 1999 fand unter großer Anteilnahme von Gästen und Bundesbrüdern die letzte Kneipe in der Pingi-Bar statt.
Alkuinia hat zumindest das Collegium Leoninum überlebt und es bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass sich unser Bund auch im neuen Paulushaus etabliert.