Von 1900 bis 1918
,,Seit der Gründung der Alkuinia ist es stets ein Wunsch gewesen, in möglichst inniger Berührung mit unseren auswärtigen Mitgliedern zu stehen".
Mit diesen Worten beginnt der erste Semesterbericht des "Kränzchens katholischer Theologen Alkuinia" aus dem Wintersemester 1901/02. Das Prinzip amicitia, die Freundschaft unter den Bundesbrüdern, ist nach dem Prinzip religio immer schon ein Schwerpunkt der Vereinigung in den letzten 100 Jahren gewesen.
Bis zum Ende des Wintersemesters 1899/1900 konnte das Leben der bestehenden „Tische" nur innerhalb des Konvikts und bei Veranstaltungen mit der ganzen Kommunität stattfinden und sich entfalten. Doch im Sommersemester 1900 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung durch die Verordnung des Kölner Erzbischofs Hubert Theophil Simar. Von nun ab konnten die Mittwochnachmittage in kleinen Gruppen frei gestaltet werden. Der Erzbischof gab dabei als Anregung, kleine wissenschaftliche Kränzchen zu gründen. Gerne wurde dieser Vorschlag von den Studenten aufgenommen. Die Tischgesellschaften konnten nun freier als vorher agieren, waren aber mehr auf sich selbst gestellt, was eine stärkere Innenkonzentration bewirkte.
So nahm dann auch der Aachener Tisch eine feste Form an und auf dem Konvent am 31.5.1900 gab man sich eine Konstitution. Noch am selben Tage wurde zugleich mit der Überreichung der Statuten und des Mitgliederverzeichnisses beim Herrn Direktor Dr. Kaufmann die Anerkennung nachgesucht und bewilligt.
Als Gründungsmitglieder sind uns bekannt:
Cremer, Franz (Gründungssenior);
Heiß, Franz (Gründungsfuxmajor);
Barts Joseph;
Bertram, Wilhelm;
Cordewener, Heinrich;
Frissen, Hubert,
Funke, Philipp;
Göbbels, Johann;
Kohnen, Wilhelm;
Lefarth Johann;
Lützeler, Heinrich;
Mühlenbach, Joseph;
Ortmanns;
Plaum, Gottfried;
Röntgen, Joseph;
Scheidt, Heinrich;
Schneppe, Robert;
Schweitzer, Theodor;
Wagels, Wilhelm.
Das erste Gründungsfest wurde am Mittwoch, dem 11. Juli 1900 mit einer Messe in der Konviktskapelle begonnen und um 16.30 h fand die Gründungskneipe im Kaiser-Friedrichssaal statt, an der auch die Professoren des Albertinums und Vertreter der Theologischen Fakultät teilnahmen. Das erste Stiftungsfest beging Alkuinia in Aachen und dauerte von Sonntag, dem 9.9. bis Dienstag, den 11.9.1900: Nach einem Begrüßungsabend feierte man am 10.9. morgens ein feierliches Hochamt in St. Paul und hielt abends den Festkommers im Hotel ,,Zum Elefanten" ab. Das Stiftungsfest klang am nächsten Tage mit einem Frühschoppen und einen Ausflug nach Altenberg aus.
Die ersten eineinhalb Jahre vergingen mit den kleineren und größeren Arbeiten, die mit einer Gründung zusammenhängen: Abfassen einer Geschäftsordnung, Festsetzen von Wahlspruch und Wappen, Anfertigung eines großen Wappens für das Kneiplokal, das Herstellen von Alkuinenpostkarten und weiteres mehr. Aber auch der Frohsinn kam in den ersten Jahren nicht zu kurz und die Heiterkeit erreichte bei manchen Veranstaltungen einen hohen Grad, ,,besonders wenn eine Bowle oder das feurige ,,Goldtröpfchens Bellinghausens" die Herzen wärmer schlagen machten und den Geist emporhoben in höhere Sphären". Die Weiterentwicklung und der Weiterausbau der Alkuinia wurden auf der festen Grundlage der bewahrten Tradition in der alten Aachener Gemütlichkeit und in echt rheinischen Frohsinn betrieben. Im Sommersemester 1902 wurde aufgrund eines BC-Beschlusses auch Dr. theol. et phil. Karl Sonnenschein, damals Kaplan an St. Jakob in Aachen, als Mitglied des alten Aachener Tisches in die Reihe der Alten Herren aufgenommen.
Aber auch das Prinzip scientia kam bei Alkuinia nicht zu kurz. Ein Beispiel dafür sind die Mittwochsveranstaltungen und die Vorträge im WS 1900/01, die keineswegs nur theologische Themen behandelten. Es gab Vorträge zum Thema ,,Kommunismus" (Philipp Funke), zur ,,Bewohnbarkeit der Himmelskörper" (Heinrich Scheidt), zur ,,sozialen Frage und das Christentum" (Johannes Lefarth) ,,Gnadenlehre" (Heinrich Lützeler) und ,,Enzyklopädie der Theologie" (Hubert Frissen). Im WS 1903/04 erhielt Bundesbruder Olaf Rademacher für seine Arbeit zum Thema ,,Die Lehre des Papstes Leo XIII. über die Person Christi" den Hohenzollernpreis.
In den folgenden Jahren florierte und wuchs die Alkuinia. Im Jahr 1904 mussten die Füxe in das neue Konvikt ,,Leoninum" umziehen und man zählte bereits 24 Aktive und 9 Inaktive. Alkuinia wurde wohl auch außerhalb des Konviktes aktiv und nahm am korporationsstudentischen Leben in Bonn teil: Stammtisch im WS 1904/05 wurde das heute noch existierende Gasthaus ,,Hähnchen", strategisch günstig zwischen ,,Leoninum" und ,,Albertinum" gelegen. ,,Dienstags und Freitags kam man en masse dorthin, aber auch sonst sammelten sich zu den verschiedensten Tageszeiten durstige Söhne Alkuinias dort. Deutlich wird die aktive Teilnahme am Bonner Verbindungsleben auch an der Namensänderung von ,,Kränzchen" in ,,Verein" am 23. März 1905. Dieses erfolgte mit der Begründung, der alte Name sei geeignet, besonders im Verkehre mit anderen studentischen Korporationen Missverständnisse herbeizuführen sowie leicht die Bedeutung und Mitgliederzahl der Alkuinia herabzusetzen.
Auch nahm der Konvent die von Bundesbruder Hubert Hahn, v. Gockel, gedichtete Fuxenstrophe an.
Im Jahre 1911 zählte dann Alkuinia 27 aktive und 13 inaktive Bundesbrüder. Der Zusammenhalt mit den Alten Herren wurde auf den Alt-Herren-Tagen gepflegt, die zu jener Zeit eine große Bedeutung hatten.
Am 23. September 1913, dem Tag des Stiftungsfestes, verstarb der Gründungssenior Franz Cremer. Die Aktivitas nahm in Düsseldorf Abschied an seinem Grab und hielt am 29. September in der Theresianerkirche ein Seelenamt für den Verstorbenen. Diesen folgte am gleichen Tage die studentischen Trauerfeierlichkeiten bei ,,Wiertz".
Einen erster Einschnitt in das Verbindungsleben machte der Erste Weltkrieg. Lange Zeit konnte Alkuinia den Stürmen des Krieges standhalten, denn erst am Ende des Sommersemesters 1918 musste das Verbindungsleben eingestellt werden. In den Jahresberichten war es usus, die Feldadressen der Bundesbruder anzugeben, um mit ihnen Kontakt halten zu können. Insgesamt nahmen 46 Bundesbrüder am Ersten Weltkrieg teil, davon fielen 12 Bundesbrüder. Zwei Alkuinen wurden mit dem Eisernen Kreuz 1 und 11 Bundesbrüder
mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet